BAJAN05
Instrument

BAJAN kommt aus dem Russichen und meint ursprünglich einen Dichtersänger, den wir für das griechische Altertum als Rhapsode oder für das keltische Mittelalter als Barde bezeichnen würden.

1907 übergab der russische Instrumentenbauer Pjotr J. Sterligow in St. Petersburg dem Musiker und Pädago-gen Jakow F. Orlanski-Titarenko eine vierreihige, speziell für ihn gebaute Knopf-Harmonika, die er BAJAN nannte 1).

Also gut, ein BAJAN ist natürlich zunächst einmal ein Akkordeon. Was aber ist anders? Wir empfehlen einige Besonderheiten gegenüber der herkömmlichen Vorstellung von Akkordeon.

So hat sich zum Beispiel in den letzten 50 Jahren sehr klar gezeigt, dass das Knopf-Manual sehr viel ergonomi-scher ist als das piano-ähnliche Tastenspielbrett. Alle bedeutenden Interpreten spielen Knopfsysteme und das ist relativ leicht aus dem System heraus zu begründen.

Vorab sei hier klargestellt, dass diese Seite nicht zum Ziel hat, einem Spieler mit Pianotasten die Freude an seinem Instrument zu nehmen.

Wenn es aber darum geht, Anfänger und insbesondere Eltern bei der Auswahl des Systems zu beraten, dann müssen einige Tatsachen klar dargestellt werden. Details und auch die Frage nach dem Umstieg von Tasten auf Knopfsysteme stellen wir demnächst auf der Seite “Systeme” dar.

Die Piano-Tastatur hatte möglicherweise im 19. Jahrhundert eine Bedeutung gehabt, als sich die Pianisten von Salonorchestern dem neu aufkommenden Akkordeon zu wandten, um einen anderen Klang zur Verfügung zu haben. Solche Wünsche erfüllt man sich heute mit einem Keyboard oder einem Synthesizer .

Dem gegenüber hat sich eben das BAJAN oder in dieser Form auch das Akkordeon als eigenständiges Instru-ment entwickelt.

Die zweite Besonderheit ist, das wir polyphones Spielen anstreben, das bedeutet Einzeltöne für die linke Hand anstelle der oder zusätzlich zu den gekoppelten Bässen.

Es ist zu unterscheiden zwischen einem Spielzeug und einem Musikinstrument. Ein guter Klang bedingt qualitativ hochwertige Materialien, möglichst auch für Kinderinstrumente. Wenn Kinder mehr Spaß haben, weil sich mit dem Instrument mehr anfangen lässt, werden sie auch mehr üben.

Die Mechanik der gekoppelten Bässe des herkömmlichen Akkordeons ist handwerklich sehr aufwendig. Für Kinderinstrumente empfehlen wir daher, auf diese Mechanik zu verzichten. Das spart Gewicht - für Kinder sehr wichtig - und auch Geld, dass teilweise in besseres Stimmzungenmaterial investiert wird. Mehr Details erläutern wir demnächst auf weiteren Seiten.

Nun sagen Sie vielleicht, dass Sie sich an den Preisträgern internationaler Wettbewerbe oder an renommierten Solisten nicht unbedingt orientieren wollen, wenn es um die Musikausbildung Ihres Kindes oder aber die Aus-übung Ihres Hobbies geht. Schließlich soll Ihr Kind nicht unbedingt Musik studieren und auch Sie haben ja einen ganz anderen Beruf.

Aber “Ergonomie” heißt nicht notwendig künstlerische Meisterschaft. Es heißt in erster Linie, dass man mit dem eingesetzten Aufwand möglichst viel erreicht; und das sollte doch für jeden von uns interessant sein.

Im Zusammenhang mit dem herkömmlichen Akkordeon wird manchmal ein besonderer Wert in der speziellen Musikausbildung an Laieninstrumenten vermutet. Davon nehmen wir allerdings vehement Abstand, denn damit wird von vornherein eine Grenze für die Entwicklung festgelegt.

Auch wenn die Musikausbildung nicht notwendig in einem künstlerischen Beruf mündet, in eine Sackgasse sollte man sein Kind nicht schicken.

1) Quelle: Friedrich Lips, Die Kunst des Bajanspiels, Schmülling 1991

[Willkommen] [Instrument] [Geschichte] [Systeme] [Music4You] [Musik] [Unterricht] [Zitate] [Links] [Impressum] [SORRY]